____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
John Coltrane
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
John William âTraneâ Coltrane (* 23. September 1926 in Hamlet, Richmond County, North Carolina; â 17. Juli 1967 in Huntington, New York) war ein bedeutender US-amerikanischer Jazzmusiker. Anfangs spielte er Altsaxophon, ab den frĂźhen 1950er Jahren fast ausschlieĂlich Tenor- und ab 1960 auch Sopransaxophon. Seine Innovationen und sein inspiriertes Spiel beeinflussten die Jazzwelt nachhaltig.cite-ref-1[1]
Contents
⢠Leben und Werk
⢠1960er Jahre
⢠Privates
⢠Stil
⢠Ehrungen
⢠Rezeption
⢠Literatur
⢠Weblinks
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Leben und Werk
1926â1945 â High Point und Philadelphia
John Coltranes Mutter, Alice Gertrude Blair (1898â1977), stammte aus einer bekannten und geachteten Familie in Hamlet im Bundesstaat North Carolina; ihr Vater war Reverend William Wilson Blair, der die methodistische Episcopal Zion Church in High Point leitete.cite-ref-2[2] Nach ihrer Graduierung zog Alice Blair nach Hamlet und lernte die Familie des Predigers William H. Coltrane kennen. Dessen Sohn war John Robert Coltrane (1901â1939); Anfang 1925 heirateten die beiden. Coltrane war der Name weiĂer schottischstämmiger Familien, die den Nachnamen an ihre damaligen Sklaven weitergegeben hatten.cite-ref-3[3] Ein erstes Kind starb schon bald nach der Geburt; am 23. September 1926 kam John William zur Welt, dessen zweiter Vorname nach den beiden GroĂvätern gewählt wurde. Schon wenige Monate nach Johns Geburt zog die Familie nach High Point zu den Geschwistern der Mutter. Johns Tante Bettie und seine Cousine Mary (* 1927) wurden nun zu wichtigen Bezugspersonen; später sollte er Mary seine Komposition âCousin Maryâ widmen.
John wuchs in einem geordneten Umfeld auf, das stark durch die Blair-Verwandtschaft und das religiĂśse Milieu der Methodisten-Gemeinde bestimmt war, während die Familie Coltrane eine weniger bedeutsame Rolle spielte. Ăber den GroĂvater kam Coltrane schon als kleines Kind mit geistlicher Musik in BerĂźhrung. Seine Familie war musikalisch, sein Vater spielte mehrere Instrumente. Mit zwĂślf Jahren bekam er von den Eltern seine erste Klarinette geschenkt und nahm klassischen Musikunterricht. Bis zu seinem zwĂślften Lebensjahr soll seine Kindheit sehr glĂźcklich gewesen sein; eine Reihe von Todesfällen Ăźberschattete schlieĂlich das Jahr 1939; so starben kurz hintereinander erst seine Tante, im Januar sein Vater an Magenkrebs; im April seine GroĂmutter. In dieser Zeit wurde die Musik zu einem wichtigen Bestandteil des jungen Coltrane.cite-ref-4[4] Ab September 1939 besuchte er die Highschool.
Nach dem Tod des Vaters, der in einer Wäscherei gearbeitet hatte, geriet die Familie in finanzielle Schwierigkeiten; während John sein letztes Jahr auf der Highschool verbrachte, zog Alice 1942 nach Philadelphia, wo sie eine Anstellung als Dienstmädchen fand; die Mutter konnte das Geld fßr die Musikschule gerade so aufbringen.
Ihr Sohn, beschrieben als ruhiger und eher stiller SchĂźler, spielte schon bald im Schulorchester und FuĂball. In der Highschool-Zeit lernte er Altsaxophon und machte erste Gehversuche im Jazz, beeinflusst durch schwarze Swing-Bands, die im Radio gesendet wurden, vor allem aber durch Lester Young, der als einer der ersten gängige Swingklischees vermied.cite-ref-5[5]
Nach seiner Graduierung im Mai 1943 zog auch John mit zwei Freunden nach Philadelphia. Bis zu seiner Einberufung zum Militärdienst fand er Arbeit in einer Zuckerraffinerie; daneben nahm er Unterricht an der Ornstein School of Music bei Mike Guerra, der ursprĂźnglich Klarinettist war. John Coltrane kehrte in den folgenden Jahren nur noch selten in seinen Heimatstaat zurĂźck; er bevorzugte den Norden auch wegen der weniger starken Rassendiskriminierung. Dennoch wirkte sich die Bindung an North Carolina weiterhin aus; seine erste Frau, Naima, stammte von dort und Coltrane arbeitete fortan mit einer Reihe von Musikern mit familiären Bindungen nach North Carolina, wie mit Dizzy Gillespie, Thelonious Monk, Jimmy Heath und McCoy Tyner. 1958 schrieb Coltrane den Titel âGoldsboro Expressâ, benannt nach einer Stadt in North Carolina; seine späte Komposition âWelcomeâ nimmt auch Bezug auf eine Kleinstadt in der Nähe seines Heimatortes High Point.
1945â1950 â Beginn der Karriere
1945 bekam er einen ersten Job in einer Tanz-Band, bevor er in die Navy eingezogen wurde. Als er auf Hawaii stationiert war, spielte er in einer Jazzband. 1946 wurde er aus dem Dienst entlassen und studierte bei dem Gitarristen und Komponisten Dennis Sandole Jazz-Theorie, was er bis in die 1950er Jahre fortsetzte. Zunächst spielte er Altsaxophon,cite-ref-interview1960-6-0[Coltrane 1] war Mitglied der Joe Webb-Bluesband, die die Sängerin Big Maybelle begleitete und wechselte dann bei Eddie Vinson zum Tenorsaxophon, da dieser keinen weiteren Altsaxophonisten neben sich duldete. Coltrane äuĂerte sich später zu diesem Punkt: âa wider area of listening opened up for me. There were many things that people like Hawk, and Ben, and Tab Smith were doing in the â40s that I didnât understand, but that I felt emotionally.âcite-ref-foundation-7-0[Biography 1]
Ein weiterer wichtiger Punkt seiner musikalischen Entwicklung war das erste Erlebnis eines Charlie-Parker-Konzerts am 5. Juni 1945. In einem Down Beat Artikel schrieb er 1960: âthe first time I heard Bird play, it hit me right between the eyes.âcite-ref-interview1960-6-1[Coltrane 1] Parker wurde darauf zu seinem frĂźhen Vorbild; die beiden spielten auch Ende der 1940er-Jahre gelegentlich miteinander. Hierbei kam es auch 1947 zur ersten Session im New Yorker Audubon Ballroom mit Miles Davis, der fĂźr den weiteren Verlauf seiner Karriere immens wichtig werden sollte. In dieser Zeit entstand auch sein Spitzname âTraneâ, wie man anhand von zeitgenĂśssischen Briefwechseln feststellte. Coltranes AusflĂźge nach New York blieben aber die Ausnahme; sein Hauptbetätigungsfeld blieb die lokale Szene in Philadelphia. Anfang des Jahres 1945 entstanden dort die ersten Aufnahmen, an denen Coltrane mitwirkte; er spielte dabei in der Jimmy Johnson Big Band, die ein inzwischen vergessener Schlagzeuger leitete, in der aber auch Benny Golson, Ray Bryant und Tommy Bryant spielten.
In der Musikerszene kam er mit Heroin in BerĂźhrung, das damals eine Modedroge war und wurde abhängig. Dennoch behielt er auch in dieser Zeit ein tägliches Ăbungspensum von mehreren Stunden bei. Nachdem er noch in Philadelphia eine kurzlebige Formation mit Jimmy Heath, Benny Golson und Cal Massey gegrĂźndet hatte, trat er in New York mit Howard McGhee im Apollo Theater auf; Anfang 1949 dann im Audubon Ballroom mit Bud Powell, Art Blakey und Sonny Rollins. Dann wurde er durch Vermittlung von Jimmy Heath 1949 Mitglied der Dizzy Gillespie Big Band, allerdings schnell wieder entlassen, weil Dizzy Gillespie Coltranes Drogensucht nicht akzeptierte. Zuvor entstanden im November 1949 Aufnahmen fĂźr Capitol. In der Musikerszene gab man ihm den Spitznamen Country Boy, weil er oft barfuĂ lief.
Nach seinem Rauswurf fand er Arbeit in der Rhythm-and-Blues-Band von Earl Bostic, mit dem auch einige Aufnahmen entstanden. Nach einem Gastspiel in einer Showband kehrte er nach Philadelphia zurßck und hatte kurze Engagements in lokalen R&B-Bands. Auch probte er zunächst viel mit dem exzentrischen Pianisten Hasaan Ibn Ali, der ihn auch harmonisch beeinflusste.cite-ref-8[6]
1954 lernte er Naima (Juanita) Grubbs, seine erste Frau, kennen und fand Arbeit im Orchester seines frßheren Idols, des Altsaxophonisten Johnny Hodges, dessen lyrische Spielweise und Klangfarbe zu Coltranes wichtigsten Einflßssen zählen.cite-ref-9[7] Er blieb bis 1955 in der Hodges-Band. Kurze Engagements bei Shirley Scott und Jimmy Smith folgten, bevor ihn Miles Davis auf Vorschlag von Philly Joe Jones anfragte. In Baltimore fanden erste Probenaufnahmen statt; dort heirateten Coltrane und Naima am 3. Oktober 1955.
1955â1960 â Miles Davis Quintett
Der Eintritt in das legendäre (erste) Miles-Davis-Quintett bedeutete fĂźr Coltrane den Durchbruch; Davis war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Star. Coltrane spielte Tenorsaxophon, behielt dabei aber die Intonation des Alt bei und entwickelte seinen charakteristischen Klang. Erste Aufnahmen (âBudoâ und âLittle Melonaeâ) entstanden Ende Oktober fĂźr Columbia, obwohl Davis noch bei Prestige unter Vertrag stand, als Miles Davis All-Stars. Doch bereits im Herbst des folgenden Jahres warf Davis Coltrane wegen dessen Drogensucht aus der Band. Coltrane zog sich zurĂźck und konnte mit Hilfe seiner Frau vom Heroin loskommen. Daneben entstanden 1956 Prestige-Sessions mit Elmo Hope, Sonny Rollins (âTenor Madnessâ), Tadd Dameron (Mating Call), Idrees Sulieman und Paul Chambers.
Ein Jahr nach seinem Drogenentzug kehrte er auf die BĂźhne zurĂźck und stĂźrzte sich mit neuer Energie in die Arbeit. Er arbeitete mit Thelonious Monk (Live at the Five Spot: Discovery!), mit dem er im Oktober 1957 das Album Monkâs Music aufnahm. Aus dem Zusammenspiel mit Monk brachte er die an den Kirchentonarten orientierten Skalen, die sogenannten âModiâ ein. Diese âmodaleâ Spielweise ersetzt die herkĂśmmliche, an Harmoniefolgen gebundene Improvisation. In der Folge wurden Coltranes Soli immer länger und ekstatischer. In den Jahren 1957 und 1958 entstanden eine groĂe Reihe hastig eingespielter Coltrane-Alben fĂźr Prestige im Stile von Blowing Sessions. Unter diesen ist einzig Blue Train â im September 1957 mit einer Bläsergruppe aus Curtis Fuller und Lee Morgan fĂźr Blue Note Records eingespielt â bemerkenswert.
In jenen Jahren von etwa 1957 bis 1960 perfektionierte er eine neue Spielweise, die der Jazz-Kritiker Ira Gitler âsheets of soundâ nannte, Klangflächen. Dabei verdichtete Coltrane ungewĂśhnlich akzentuierte Arpeggios zu verflochtenen Soundmustern hoher Virtuosität. In Augenblicken hĂśchster Intensität nahm sein Spiel die Qualität von Urlauten an.cite-ref-rocklexikon-10-0[8] Der besondere Reiz dieser Technik besteht darin, dass die Musik vielsagend wird, weil oft nicht klar ist, in welcher Tonart Coltrane genau spielt. Wichtig ist, dass der Pianist eingewiesen ist. In dieser Zeit trat Coltrane â mehr oder weniger notgedrungen, denn er benĂśtigte Material fĂźr seine neue Spielweise â als Komponist hervor. Anfang 1958 hatte er ein gemeinsames Quintett mit dem FlĂźgelhornisten Wilbur Harden (Mainstream 1958). Von 1958 bis 1960 spielte er wieder im Davis-Quintett. Die beiden herausragenden Alben Milestones und Kind of Blue entstanden.
1960er Jahre
Im Jahr 1959 entstanden erste Aufnahmen fĂźr das Label Atlantic Records, zunächst mit Milt Jackson (Bags & Trane). 1960 erschien sein Album Giant Steps â ein Titel, der durchaus wĂśrtlich zu nehmen ist. 1961 wurde dann My Favorite Things verĂśffentlicht. Das TitelstĂźck dieses Albums (im Drei-Viertel-Takt) stammt aus dem Rodgers-und-Hammerstein-Musical The Sound of Music. Coltrane spielte Sopransaxophon und verhalf diesem im Jazz seit längerer Zeit relativ selten gespielten Instrument damit zu einer Renaissance.
Dieser Erfolg machte das John Coltrane Quartet neben Miles Davisâ Quintett zu einer der einflussreichsten Jazz-Gruppen der 1960er-Jahre. Neben Coltrane bestand die klassische Besetzung aus McCoy Tyner (Piano) sowie Elvin Jones (Schlagzeug). Jimmy Garrison lĂśste im Herbst 1961 seine Vorgänger am Bass, Steve Davis und Reggie Workman, ab und vervollständigte das Quartett. Diese Besetzung sollte sich nun fĂźr die nächsten Jahre nicht verändern.
Bei einigen Liveaufnahmen im Village Vanguard wirkte auch der Avantgarde-Saxophonist Eric Dolphy mit, der zuvor bereits mit Ornette Coleman und Charles Mingus zusammengespielt hatte. Die Mitschnitte aus dem Village Vanguard verstÜrten zahlreiche Jazzkritiker, fßhrten zu einer Kontroverse im Down Beat und zum Ausscheiden Dolphys im März 1962. Danach entstanden zwei eher konservative Alben, Coltrane und Ballads.cite-ref-11[9] Seine Auftritte auf dem Newport Jazz Festival in den Jahren 1963 (mit Roy Haynes) und 1965 sind auf der 2007 erschienenen Edition My Favorite Things: Coltrane at Newport dokumentiert.
Einige der bekanntesten Fotografien von Coltrane stammen von Robert Freeman.
Coltrane sprengte den Rahmen des herkĂśmmlichen Jazz und nahm in sein Spiel afrikanische und orientalische EinflĂźsse auf. Eine der wichtigsten Platten mit dem klassischen Quartett ist die Suite A Love Supreme aus dem Jahre 1964 (Impulse!), bei welcher Coltranes spirituelle Ausrichtung deutlich wird, die sich im vorangegangenen melancholischen Album Crescent andeutete. Coltrane, der auch den psalmenartigen Text schrieb und sang, schuf das Werk nach LektĂźre des Buchs The Greatest Thing in the World von Henry Drummond, einem evangelikalen Autor des 19. Jahrhunderts.
In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre orientierte sich John Coltrane immer stärker am offenen Spiel des Free Jazz. Elvin Jones wurde durch den Schlagzeuger Rashied Ali, der auch ungebundene Metren spielte, erst ergänzt, später dann ersetzt; fßr McCoy Tyner kam Coltranes zweite Frau Alice Coltrane (sie spielte Piano und Harfe, ein im Jazz selten vertretenes Instrument). Zumeist verstärkte der Saxophonist Pharoah Sanders die Intensität der Saxophonklänge, wie in seinem letzten aufgezeichneten Konzert im April 1967 (The Olatunji Concert).
Lebenslang war Coltrane auf der Suche nach neuen Klängen. Seine kßnstlerische Existenz erläuterte er dahingehend, dass er die Menschen mit all seiner Kraft seelisch aufrichten wolle. Er verstand seine Musik als Anregung, seine Energiequellen vollkommen freizusetzen, um ein sinnvolles Leben zu gestalten.cite-ref-rocklexikon-10-1[8] Dabei blieb sein Stil immer eigenständig und in seiner Geschwindigkeit und Komplexität unvergleichlich. Er verÜffentlichte innerhalb von zwÜlf Jahren etwa 50 Aufnahmen mit seiner eigenen Band und ein Dutzend mit anderen Bands.
Privates
John und Alice Coltrane hatten drei gemeinsame Kinder, den Schlagzeuger John Coltrane Jr. (* 1964; 1982 bei einem Autounfall tĂśdlich verunglĂźckt) und die Saxophonisten Ravi (* 1965) und Oran (* 1967).
Tod
John Coltrane starb 1967, offiziell an Leberkrebs. Miles Davis merkte an, dass Coltrane vor seinem Tod stark an Gewicht zugenommen habe, er aber nicht wusste, dass Coltrane krank sei. Lewis Porter geht davon aus, dass der heroinsĂźchtige Coltrane sich an einer KanĂźle mit Hepatitis infizierte, was zu einer Leberzirrhose fĂźhrte, welche dann im Leberkrebs mĂźndete.cite-ref-12[10]
Stil
Coltranes eigener Stil entwickelte sich in der Ăra des Modern Jazz vom Hard Bop bis zum Modalen Jazz und geht schlieĂlich zum Free Jazz Ăźber. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre entfaltete er, unter anderem von Dexter Gordon beeinflusst und Ăźber Charlie Parker hinausgehend, seine eigene Spielweise, die einen sehr durchdringenden hellen Klang auf seinem Tenorsaxophon mit extremer rhythmischer Verdichtung der Notenwerte verband, bei gleichzeitiger Erweiterung und Verfeinerung des Bebop-Vokabulars im harmonisch-melodischen Bereich. Diese Spielweise wurde von dem amerikanischen Jazzkritiker Ira Gitler mit dem Begriff âsheets of soundsâ (Ăbersetzung: âKlangflächenâ) bezeichnet. Nachdem Coltrane durch seine Zusammenarbeit mit Miles Davis die modale Spielweise kennengelernt hatte, vertiefte er sich in zunehmendem MaĂe in Experimente mit Skalen. Auch von der indischen Musik (Ravi Shankar) beeinflusst fiel die Wahl des Vornamens fĂźr einen seiner SĂśhne auf Ravi, Ausdruck seiner Bewunderung fĂźr den Sitar-Virtuosen. Ab Mitte der 1960er Jahre Ăśffnete er sich freien Spielformen, wie etwa auf dem Album Ascension (1965), und erforschte in seinem Spiel die sich ihm dadurch bietenden MĂśglichkeiten konsequent. All diese Erkundungen und Erkenntnisse fanden Eingang in seine letzte Aufnahme Expression, die von vielen als Vermächtnis gesehen wird.
Ehrungen
⢠Seine Aufnahme Lush Life mit Johnny Hartman, aus dem Album John Coltrane and Johnny Hartman (1963) sowie die Alben Blue Train (1957), Giant Steps (1960), A Love Supreme (1964), My Favorite Things (1961) und Thelonious Monk with John Coltrane (1961) wurden in die Grammy Hall of Fame aufgenommen.cite-ref-13[11]
⢠Fßr sein Album Giant Steps wurde John Coltrane 1961 in Amsterdam mit einem Edison ausgezeichnet.
⢠Die 1971 in San Francisco gegrßndete Saint John Coltrane African Orthodox Church verehrt den Musiker als einen Heiligen.
⢠Der schottische Schauspieler Anthony Robert McMillan nannte sich John Coltrane zu Ehren âRobbie Coltraneâ.
⢠Chasing Trane: The John Coltrane Documentary ist ein US-amerikanischer Film aus dem Jahr 2016 von John Scheinfeld. Denzel Washington erzählt das Leben von Coltrane; der Film enthält Interviews mit Bewunderern wie Wynton Marsalis, Sonny Rollins, Bill Clinton und Cornel West.cite-ref-14[12]cite-ref-15[13]
⢠Der franzĂśsische Musiker Christian Vander betrachtet Coltrane als sein grĂśĂtes musikalisches Vorbild, dem er sein 2011 verĂśffentlichtes Album John Coltrane L'Homme SuprĂŞme als Hommage widmete.cite-ref-16[14]
Rezeption
âWas an John Coltranes Soli auch heute noch fasziniert, ist seine groĂe melodische Gestaltungskraft, die Art und Weise, wie er sich souverän abwechselnd innerhalb und auĂerhalb der Ăźblichen Akkord-Folge bewegt. Anders als andere Musiker seiner Zeit war ihm nicht daran gelegen, sich als jemand zu inszenieren, der etwas des reinen Spiels wegen dekonstruiert. Er hatte so viel an Kreativität und Einfallsreichtum zu verschwenden, daĂ er damit alles â jeden Ton, jede Akkordfolge, jede Fremdkomposition â mit neuer Bedeutung aufladen konnte.â
â
Harry Lachner
Entwicklung des âJohn Coltrane Quartetâ
Aufnahmen (Auswahl)
Chartplatzierungen
Alben
| Jahr | Titel | HĂśchstplatzierung, Gesamtwochen, Auszeichnung Chartplatzierungen Chartplatzierungen [ 15 ] (Jahr, Titel, PlatÂzieÂrungen, WoÂchen, AusÂzeichÂnungen, AnmerÂkungen) | HĂśchstplatzierung, Gesamtwochen, Auszeichnung Chartplatzierungen Chartplatzierungen [ 15 ] (Jahr, Titel, PlatÂzieÂrungen, WoÂchen, AusÂzeichÂnungen, AnmerÂkungen) | HĂśchstplatzierung, Gesamtwochen, Auszeichnung Chartplatzierungen Chartplatzierungen [ 15 ] (Jahr, Titel, PlatÂzieÂrungen, WoÂchen, AusÂzeichÂnungen, AnmerÂkungen) | HĂśchstplatzierung, Gesamtwochen, Auszeichnung Chartplatzierungen Chartplatzierungen [ 15 ] (Jahr, Titel, PlatÂzieÂrungen, WoÂchen, AusÂzeichÂnungen, AnmerÂkungen) | HĂśchstplatzierung, Gesamtwochen, Auszeichnung Chartplatzierungen Chartplatzierungen [ 15 ] (Jahr, Titel, PlatÂzieÂrungen, WoÂchen, AusÂzeichÂnungen, AnmerÂkungen) | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | Titel | DE | AT | CH | UK | US | Anmerkungen |
| 1967 | Expression | â | â | â | â | US 194 (3 Wo.) US | |
| 1971 | Sun Ship | â | â | â | â | US 186 (3 Wo.) US | |
| 2005 | At Carnegie Hall | â | â | â | â | US 107 (14 Wo.) US | mit Thelonious Monk Quartet |
| 2008 | Opus Collection: A Man Called Trane | â | â | â | â | US 107 (7 Wo.) US | |
| 2018 | The Final Tour â Copenhagen, March 24, 1960: The Bootleg Series Vol. 6 | DE 87 (1 Wo.) DE | AT 55 (1 Wo.) AT | CH 59 (1 Wo.) CH | â | US 187 (1 Wo.) US | mit Miles Davis |
| 2018 | Both Directions at Once â The Lost Album | DE 3 (9 Wo.) DE | AT 6 (8 Wo.) AT | CH 4 (8 Wo.) CH | UK 15 (2 Wo.) UK | US 21 (3 Wo.) US | |
| 2019 | Blue World | DE 21 (2 Wo.) DE | AT 30 (1 Wo.) AT | CH 45 (2 Wo.) CH | â | US 78 (1 Wo.) US | |
| 2021 | A Love Supreme â Live in Seattle | DE 20 (2 Wo.) DE | AT 25 (1 Wo.) AT | CH 13 (3 Wo.) CH | UK 83 (1 Wo.) UK | US 78 (1 Wo.) US | |
| 2022 | Live at the Village Vanguard | DE 59 (1 Wo.) DE | â | â | â | â | |
| 2022 | Crescent | DE 38 (1 Wo.) DE | â | â | â | â | |
| 2022 | Duke Ellington & John Coltrane | DE 31 (1 Wo.) DE | â | â | â | â | mit Duke Ellington |
| 2022 | John Coltrane and Johnny Hartman | DE 57 (1 Wo.) DE | â | â | â | â | mit Johnny Hartman |
| 2022 | Blue Train | DE 12 (2 Wo.) DE | AT 31 (1 Wo.) AT | CH 21 (1 Wo.) CH | â | US 95 (1 Wo.) US | |
| 2023 | Evenings at the Village Gate | DE 13 (1 Wo.) DE | â | CH 45 (1 Wo.) CH | â | US 156 (1 Wo.) US | mit Eric Dolphy |
grau schraffiert: keine Chartdaten aus diesem Jahr verfĂźgbar
Kompositionen (Auswahl)
⢠Momentâs Notice, 1957
⢠26-2, 1964
⢠After the Rain, 1963
⢠Alabama, 1963 (Zum Gedenken an den Anschlag auf die 16th Street Baptist Church, und Prince bezeichnete das Stßck als einen von 55 Songs, die ihn musikalisch inspiriert haben)
⢠Brazilia, 1965
⢠Central Park West, 1960
⢠Cousin Mary, 1959
⢠Giant Steps, 1960
⢠Like Sonny, 1959
⢠Naima, 1959
⢠Syeedaâs Song Flute, 1959
⢠Impressions, 1961
⢠India, 1961
⢠Tunji, 1962
⢠Welcome, 1966
Auszeichnungen fßr Musikverkäufe
Anmerkung: Auszeichnungen in Ländern aus den Charttabellen bzw. Chartboxen sind in ebendiesen zu finden.
| Land/Region AusÂzeichÂnungÂen fĂźr MuÂsikÂverÂkäuÂfe (Land/Region, AusÂzeichÂnungen, VerÂkäuÂfe, QuelÂlen) | Gold | Platin | VerÂkäuÂfe | QuelÂlen |
|---|---|---|---|---|
| Kanada (MC) | Gold 1 | 0! P â | 50.000 | musiccanada.com |
| Vereinigte Staaten (RIAA) | 3Ă Gold 3 | Platin 1 | 2.500.000 | riaa.com |
| Vereinigtes KĂśnigreich (BPI) | 2Ă Gold 2 | 0! P â | 200.000 | bpi.co.uk |
| Insgesamt | 6Ă Gold 6 | Platin 1 | | |
Literatur
⢠John Coltrane: Coltrane on Coltrane. The John Coltrane Interviews. Chicago Review Press, Chicago 2010, ISBN 978-1-56976-287-5 (hrsg. Chris DeVito).
⢠Yasuhiro Fujioka: John Coltrane: A Discography and Musical Biography. The Scarecrow Press, Metuchen NJ 1995, ISBN 0-8108-2986-X (mit Beiträgen von Hamada, Porter).
⢠Lewis Porter: John Coltrane: his life and music. The University of Michigan Press, 1998, ISBN 0-472-10161-7 (engl. Originalausgabe).
⢠Ashley Kahn: A Love Supreme. John Coltranes legendäres Album. Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins, Berlin 2004, ISBN 3-8077-0030-7 (englisches Original Viking Penguin, New York 2002, ISBN 0-670-03136-4).
⢠J.C. Thomas: Chasin' the trane. Musik und Mystik von John Coltrane. Hannibal, Wien 1986, ISBN 3-85445-024-9 (dt. Ăbersetzung, engl. Original 1975).
⢠Ralf Dombrowski: John Coltrane. Sein Leben, seine Musik, seine Schallplatten. Oreos, Waakirchen 2002, ISBN 3-923657-63-3 (dt., vollständig ßberarbeitete Neuauflage).
⢠Carl Woideck: The John Coltrane Companion. Schirmer Books, 1998, ISBN 0-7119-6994-9.
⢠Gerd Filtgen, Michael Ausserbauer: John Coltrane. Oreos Verlag, 1989.
⢠David A. Wild: liner notes zu The Complete 1961 Village Vanguard Recordings (1997)
⢠Ben Ratliff: Coltrane. The Story of A Sound. Farrar, Straus and Giroux, New York 2007, ISBN 978-0-312-42778-8.
⢠Coltrane. Siegeszug eines Sounds. Hannibal Verlag, HÜfen 2008, ISBN 978-3-85445-290-4.
⢠Karl Lippegaus: John Coltrane. Biografie. Edel, Hamburg 2011, ISBN 978-3-8419-0069-2.
⢠Peter Kemper: John Coltrane. Biographie. Reclam, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-15-961200-3.
Weblinks
Commons
: John Coltrane
â Sammlung von Bildern und Audiodateien
⢠Werke von und ßber John Coltrane im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠John Coltrane bei Discogs
⢠John Coltrane in der Notable Names Database (englisch)
⢠johncoltrane.com
⢠Detaillierte Diskografie von John Coltrane bei Jazzdisco
⢠Biografie, Diskografie, HÜrproben und News bei JazzEcho
⢠John Coltrane in der Datenbank Find a Grave
⢠Niklas Rudolph: 23. September 1926 â Jazzmusiker John Coltrane wird geboren. WDR ZeitZeichen vom 23. September 2021 (Podcast)
HĂśrbeispiele
⢠Blue Train auf YouTube
⢠My Favorite Things auf YouTube
⢠Alabama auf YouTube
⢠Equinox auf YouTube
Anmerkungen und Verweise
⢠John Coltrane Biography John Coltrane Biography â The John Coltrane Foundation
cite-note-foundation-7Biography 1. â John Coltrane Biography â The John Coltrane Foundation
⢠John Coltrane Coltrane on Coltrane. In: Down Beat, 29. September 1960
cite-note-interview1960-6Coltrane 1. â John Coltrane: Down Beat-Interview 1960.
⢠Harry Lachner: Jahrhundertaufnahmen des Jazz John Coltrane A Love Supreme
cite-note-171. Harry Lachner: Jahrhundertaufnahmen des Jazz John Coltrane A Love Supreme
⢠Lewis Porter: John Coltrane. University of Michigan Press, Ann Arbor 2006
cite-note-11. â John Coltrane â laut.de â Band. Abgerufen am 28. März 2023.
cite-note-22. â Lewis Porter, S. 1 ff.
cite-note-33. â Lewis Porter, S. 6 f.
cite-note-44. â Lewis Porter, S. 17.
cite-note-55. â Vgl. Filtgen und AuĂerbauer, S. 15.
cite-note-86. â Andrian Kreye: Geheimnisträger. In: SĂźddeutsche Zeitung. 3. Mai 2021, abgerufen am 2. November 2021.
cite-note-97. â Filtgen und AuĂerbauer, S. 22 ff.
cite-note-rocklexikon-108. â Barry Graves, Siegfried Schmidt-Joos, Bernward Halbscheffel: Rock-Lexikon. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 978-3-499-61588-7, Band 1, S. 210 f.
cite-note-119. â vgl. David A. Wild, 1997
cite-note-1210. â S. Flannagen: Jazz Legend John Coltrane's 1967 Death Explained. 9. Mai 2022, abgerufen am 13. Oktober 2024.
cite-note-1412. â Dave McNary: John Coltrane Documentary âChasing Traneâ Gets Release Date. In: Variety. 16. März 2017, abgerufen am 4. März 2023 (amerikanisches Englisch).
cite-note-1513. â John Scheinfeld: Chasing Trane: The John Coltrane Documentary. Meteor 17, Crew Neck Productions, 14. April 2017, abgerufen am 4. März 2023.
cite-note-1614. â Christian Vander: John Coltrane, l'homme suprĂŞme. In: Seventh Records. Abgerufen am 9. Oktober 2024 (englisch).
cite-note-charts-182. Chartquellen: DE AT CH UK US